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Wenn es kriselt in der Gemeinde
Foto: magnific.com
Verwaltung

Wenn es kriselt in der Gemeinde

Der Jahresbeginn hat deutlich vor Augen geführt, was geschieht, wenn Gemeinden unvorbereitet von einer Krise getroffen werden: Das Vertrauen in die Verwaltung wird schwer beschädigt. Tipps für eine bessere Krisenkommunikation.

Aktives Risikomanagement wird in vielen Gemeinden gar nicht erst betrieben. Dafür fehlt die Zeit, dazu fehlt das Know-how im Milizsystem. Krisen gibt es viele, die Risiken nehmen eher zu, von Cyberattacken, Stromausfällen über Stürme, Feuersbrünste, Unfälle, Attentate bis hin zu Streit um Budgets oder andere Verwaltungsgeschäfte. Darauf und mehr sollten sich Gemeinden vorbereiten. Gerade jetzt, gerade in Zeiten der Ruhe. Mit Vorteil werden sie dabei von einer externen Kommunikationsagentur unterstützt, die ihr den Spiegel vorhält.

Kommunikationskonzept regelt es 

Vieles ist bereits auf anderen Stufen vorbereitet, etwa Führungsorgane auf verschiedenen Stufen. Anderes müssen Gemeinden erst noch entwickeln und an ihre Gegegebenheiten anpassen. Das geschieht im Kommunikationskonzept. Diese zeigt Kommunikationsziele intern und extern auf, beschreibt die Zielgruppen, die Zuständigkeiten und Verantwortlichkeiten im Krisenstab sowie die Abläufe und Informationsmittel sowie Kommunikationskanäle. Es enthält ebenfalls die Adressen aller wichtigen Akteure sowie Botschaften und Textbausteine, die im Krisenfall genutzt werden. Diese lassen sich für mehrere angenommene Krisen als Lückentext aufbauen und ablegen. Weiter gehört ins Kommunikationskonzept die Beschreibung alternativer Prozesse, etwa bei Stromausfällen und die Definition des Mindestservices der Gemeinde im Krisenfall.

Das ist gute Kommunikation der Krise 

Krisenkommunikation unterscheidet sich von normaler Kommunikation vor allem durch ihre Unmittelbarkeit und Reaktionsfähigkeit auf aktuelle Ereignisse sowie durch eine einheitliche, mit anderen Stellen abgesprochene widerspruchsfreie Kommunikation aus einer Hand bzw. durch eine Führungsperson. Ausserdem sollte sie schonungslos direkt sein; jeder Anschein der Intransparanz zerstört das Vertrauen mit grosser Wucht, ebenso langes Schweigen. Der Effekt sind sofort aufkommende Glaubwürdigkeitsprobleme und Shitstorms in sozialen Medien; im Extremfall eine öffentliche Hatz oder Vorverurteilung einzelner Exponenten der Gemeinde.

7 Tipps für bessere Krisenkommunikation

  1. Lage klären, Prioritäten setzen Sofort gilt es, gesicherte Fakten zu sammeln: Was ist passiert, wo,   seit wann, wer ist betroffen und welche Risiken bestehen in den nächsten Stunden. Annahmen müssen  hier klar von Fakten getrennt werden. Priorität hat der Schutz von Menschen, die Sicherung des Betriebs  und die Stärkung des Vertrauens. Datenschutz und laufende Ermittlungen dürfen durch die Informa-  tionstätigkeit nicht gefährdet werden. 
  2. Lageupdates In fixen Zyklen wird die Lage neu beurteilt und festgelegt, wie als nächstes kommu niziert wird. Spekulationen müssen hier vermieden werden. 
  3. Früh und transparent kommunizieren Klar benennen, was bekannt ist und was nicht.   Konkrete Handlungsanweisungen erteilen und das nächste Update ankündigen. Niemals spekulieren! 
  4. Eine Botschaft auf allen Kanälen Alle Kanäle mit denselben Botschaften und Zitaten möglichst  barrierefrei bespielen, z.B. Website, Social Media, Gemeinde-App, Hotline, Aushänge, Alertswiss  etc. Propaganda und Schönfärberei muss hier vermieden werden. 
  5. Einfache, klare Sprache Kein Beamtendeutsch in der Krise. Die Botschaften sollten leicht ver-  ständlich sein und möglichst viele Menschen erreichen. Unter Umständen müssen sie in gängige  Sprachen übersetzt werden. 
  6. Gerüchte aktiv managen - Monitoring Social Media und klassische Medien beobachten ist  Pflicht. Falschinformationen müssen so schnell wie möglich unter Nennung von Quellen korrigiert   werden. Wichtige Fakten konsequent wiederholen senkt das Risiko von Fake News. 
  7. Nach der Krise: auswerten, verbessern, trainieren Debriefing 72 Stunden nach der  Krise: Was hat funktioniert, was nicht, welche Lücken gab es. Aktualisiert Checklisten, Vorlagen und   Kontaktlisten. Mindestens einmal jährlich soll die Krise trainiert werden.

«Krisen entlarven Schwächen» 

Kommunikationsspezialist und ehemaliger Gemeindepräsident: Andreas Philipp leitet heute die Agentur P2/Kommunikation und weiss, was Krisenkommunikation bedeutet.

Ist eine Krise auch eine Chance? 
Das ist natürlich eine Binsenwahrheit. Vor allem aber: Wer unvorbereitet in eine Krise schlittert, zeigt im schlechtesten Moment Schwächen, die das Vertrauen erschüttern.

Muss man auch als Gemeindepräsident seinen Kopf hinhalten? 
Natürlich ist er oder sie meist nicht direkt für eine Krise verantwortlich oder trägt gar Schuld daran. Die Öffentlichkeit will aber, dass der Chef oder die Chefin vor die Kamera treten und klar kommunizieren. Direkt und ehrlich. Das muss man vorbereiten.

Wie? 
Mit einem Krisenkommunikationskonzept und Medientraining. Vor der Kamera müssen Gemeindeverantwortliche Ruhe und Sicherheit ausstrahlen. Dazu ist es wichtig, sich auf die Fakten zu beschränken und Spekulationen entgegenzutreten.

Kann man sich auf jede Krise vorbereiten? 
Ja, mindestens unter Annahmen. Zu einer guten Vorbereitung gehört es, sich Szenarien auszudenken und mögliche Kommunikationsmassnahmen sowie passende Botschaften und Textbausteine. Um in der Krise mit einer Stimme zu sprechen, braucht es eine sorgfältige Vorbereitung und vor allem jährliches Training.

Was geht in der Praxis gerne vergessen? 
Dass man je nach Krise vielleicht gar nicht unbeschränkt Zugriff auf das Internet hat. Oder dass die Bevölkerung emotional reagiert. Weiter gilt es, die eigenen Mitarbeitenden der Verwaltung zu schützen. Sie benötigen Unterstützung, allenfalls sogar die Hilfe eines CareTeams. Vor allem müssen sie ganz genau ihre Rolle im Rahmen einer Krise kennen.