Kaum jemand kann die Entwicklung der Elektromobilität so gut beurteilen wie Kurt Meier. Seit 2018 fährt er mit dem E-Auto in die Toskana und findet seither immer mehr Schnellladestationen unterwegs. Meiers Fazit heute: «Die Technik ist dem Verbrenner heute weit überlegen.» Und sie rechnet sich, erst recht in Zeiten steigender Benzinpreise und dank der Solaranlage auf den Dächern am Hauptsitz und in den Niederlassungen.
Technik, Reichweite, Kosten: Vorurteile im Check
Die Elektrifizierung der Fuhrparks landauf landab wird durch die allgemeine technische Entwicklung in der Elektromobilität begünstigt. Die Batterien werden immer leistungsfähiger und langlebiger. Sie unterstützen heute bereits Reichweiten von 800 und mehr Kilometern. Auch die Hälfte bei Mittelklasse-Autos genügt: Die meisten Fahrzeuge stehen mehrheitlich auf Parkplätzen herum. Im Durchschnitt legen Schweizerinnen und Schweizer nach einer Erhebung von 2021 rund 21 Kilometer pro Tag zurück.
Auch andere Vorurteile gegen Elektroautos sind heute widerlegt. So liegen die Anschaffungskosten fast gleichauf, sind über den gesamten Lebenszyklus CO₂-ärmer - besonders in der Schweiz - und die Zahl der Ladestationen wächst enorm, allerdings noch kaum auf heimischen Standplätzen in den Tiefgaragen von Mietern. Doch der Bund arbeitet bereits am Recht auf eine Ladestation. Auch ohne Ladestation zu Hause: Wer mal länger unterwegs ist, findet auf fast allen Strecken immer mehr Schnellladestationen. Ein kurzer Kaffeehalt mit Austreten - und die Reise geht mit voller Batterie weiter.
Totale Kosten tiefer als beim Verbrenner
E-Auto-Batterien entwickeln sich technisch weiter. Auch was ihre Kreislauffähigkeit anbelangt. Die Grundlagen für das Recycling von aktueller Lithium-Ionen-Technik sind im Forschungsprojekt Circubat circubat.ch gelegt worden. Das reduziert ihren ökologischen Fussabdruck weiter. Stärkstes Argument für ein E-Fahrzeug ist heute aber: Die Totalkosten über die gesamte Lebenszeit liegen bei allen Fahrzeugtypen und in allen Bereichen deutlich tiefer als bei einem Verbrennerauto. Grund sind geringere Service- und Energiekosten. Ein E-Auto besteht nur noch aus wenig Mechanik und viel Elektronik und wird mehrheitlich von erneuerbaren Energien angetrieben. Laut einer Studie des Bundesamts für Energie BFE von 2023 spielt zudem die Alterung der Batterie bei der Kostenberechnung kaum eine Rolle: Erst ab 300000 Kilometern sinkt ihre Kapazität auf 70 Prozent.
Für das Klima sind Firmenflotten laut einer neuen Studie von EY und eurelectric zentral. Sie haben 60 Prozent Anteil an den Neuzulassungen und verursachen mit den meisten Kilometern fast die Hälfte des CO₂-Ausstosses. Kurz: Eine vollständige Elektrifizierung von Flotten in der EU könnte die Kohlendioxidemissionen bis 2030 um eine Milliarde Tonnen senken.
Wie man den Fuhrpark umstellt
Um seinen Fuhrpark umzustellen, bedarf es einiger Schritte:
- Analyse: Erfassen Sie Fahrprofile, Einsatzzeiten, Strecken und Standorte der heutigen Fahrzeuge. Prüfen Sie Ladeinfrastruktur, Stromanschluss und betriebliche Vorgaben.
- Modellierung der Gesamtbetriebkosten und CO₂-Auswirkungen: Vergleichen Sie Anschaffung, Energie, Service, Steuern und Restwert über die Nutzungsdauer. Berechnen Sie den CO₂-Fussabdruck mit dem Schweizer Strommix und den erwarteten Fahrleistungen.
- Optimale Mobilitätslösungen definieren: Legen Sie pro Einsatzfall fest, ob ein Elektrofahrzeug, ein Plug-in-Hybrid oder eine andere Lösung sinnvoll ist. Definieren Sie Fahrzeugklassen, Reichweiten und Ladefenster, damit der Betrieb ohne Ausfälle läuft.
- Geschäftsleitung und Mitarbeitende einbinden: Klären Sie Bedürfnisse von Geschäftsleitung, Fuhrpark, IT, Immobilien und Mitarbeitenden früh. Schulen Sie Fahrerinnen und Fahrer zu Laden, Routenplanung und effizientem Fahren.
- Umstellen und Anpassen der Mobilitätsrichtlinien: Planen Sie die Umstellung in Etappen und setzen Sie klare Beschaffungs- und Ersatzzyklen. Aktualisieren Sie Regeln zu Laden, Spesen, Privatnutzung, Parkplätzen und Sicherheit.
Wie man Fahrerinnen und Fahrer begeistert
Diverse Umfragen zeigen immer wieder hohe Zufriedenheitsraten bei Fahrerinnen und Fahrern von Steckerfahrzeugen. Mehr als 90 Prozent schliessen eine Rückkehr zum Verbrenner aus. Damit der Umstieg gelingt, müssen Sie Fahrerinnen und Fahrer für das neue Fahrgefühl begeistern. Bestimmen Sie «Botschafter» der Elektromobilität im Unternehmen und rüsten Sie diese mit dem passenden Fahrzeug aus. Je besser Sie Mitarbeitende einbinden, desto einfacher gestaltet sich die Umstellung.
Bauen Sie die Flotte Schritt für Schritt um. Schulen Sie die Mitarbeitenden im Umgang mit dem «Stromer», der stressfreieres Fahren mit geringem Bremseinsatz ermöglicht. Nehmen Sie den Mitarbeitenden die Reichweitenangst, indem Sie den Firmensitz mit genügend Ladestationen ausrüsten und das Laden zu Hause mittels Wallboxen fördern. Geben Sie ihnen für längere Strecken Bezahlkarten für Schnelllader mit